Archiv für Januar 2010

Teil 1: Tweet, tweet, tweet

18 Januar 2010

Wow, was für ein Jahresanfang. Seit meinem Ski-Urlaub zwischen Weihnachten und Neujahr, bin ich nicht dazu gekommen, wie vorgenommen, etwas in meinem Blog zu schreiben. Jetzt langsam komme ich dazu auch daran zu denken. Ich glaube, es geht mir ähnlich wie beim Schnee-Fall in diesem Jahr. Erst jetzt taut es langsam auf…

Das Thema, das mich schon länger beschäftigt, ist der Sinn oder Unsinn vom Twitter. Ich habe es sehr lange es nur am Rande beobachtet und niemals wirklich versucht nachzuvollziehen, was die nächste Blogging-Plattform mit 140 Zeichen Einschränkung pro Post überhaupt als Mehrwert bringen sollte? Micro-Blogging? Noch ein Buzzword?

Bis ich selbst damit ebenfalls angefangen habe. Der Grund für den ersten Versuch war sehr lapidar. Vor kurzem habe ich mein Blog gestartet und Twitter schien mir auf den ersten Blick, sehr gut als Kanal für die Promotion geeignet. Viele Plattformen nutzen es bereits und ich wollte einfach entdecken, worüber es so in kurzen Botschaften berichtet wird.

Mittlerweile sind es mehr als 4 Monate vergangen, in denen ich mit Twitter experimentiert habe, mich an den Community beteilige. Und wo ist der “Magic”, Mehrwert und der Grund wieso Twitter dermaßen erfolgreich bleibt?

  • Warte mal kurz, ich frage mal die ganze Welt
  • 140 Zeichen: Schnell erfasst, schnell beantwortet
  • Egomane
  • Wikipedia-Konzept für “Reuters”
  • Bewertung der Güte der Inhalte
  • Tools: Windows, Mac, Linux, Mobile, Web, Desktop, Widget …

Warte mal kurz, ich frage mal die ganze Welt

Das war für mich das erste Aha-Erlebnis in der Twitter-Welt. Ich hatte eine Frage, auf die ich durch Recherche im Netz, keine Antwort findet konnte. Da kam mir in den Sinn, diese Frage der Twitter-Community zu stellen. Ich schreib meine Frage und kurze Zeit später kamen auch ca. 5 Antworten. Keine passte so wirklich, aber es hat mir neue Hinweise gegeben.

Wo hat man schon die Möglichkeit der ganzen Welt (okay, okay, die gerade online in Twitter ist) eine Frage zu stellen?!

Mittlerweile habe ich auch gelernt, dass die Twitter-Nutzer nicht nur Nachrichten von Personen aus eigenem Netzwerk (ähnlich für bei Facebook) lesen, sondern die Möglichkeit haben, eine dynamische Suche für einen Begriff im Twitter durchzuführen. Wird gerade ein neues Tweet, das zu einem Suchbegriff passt, veröffentlicht, bekommt man es unmittelbar mit. Da manche Begriffe nicht eindeutig sind, hat es sich zusätzlich eingebürgert, s.g. Hashtags zu nutzen. So z.B. für Alles, was nicht funktioniert hat, setzt man das Wort #fail hinzu. Es entstehen jeden Tag neue Hashtags, mache leben nur ein Tweet lang, andere werden aufgegriffen und von großer Gruppe benutzt. So z.B. alle Twitter-Posts zum Thema SharePoint 2010 versehe ich noch zusätzlich mit #sp2010.

Es ist auch interessant zu sehen, welche Hashtags besonders populär sind. Eine gute Seite dafür ist http://tagdef.com

Ein paar Beispiele:

#nowplaying – was hört gerade ein Twitter-User

#haak (high as a kite) – Markierung für Twitter-Einträge, die unter Alkohol-Einfluss entstanden sind. Als Entschuldigung für Später ;- )

 

140 Zeichen: Schnell erfasst, schnell beantwortet

Die ursprüngliche Einschränkung für die Länge der Tweets, war eher Folge einer andere technischen Wundererscheinung: SMS. Die Länge der SMS war wiederum technisch bedingt (mehr unter http://de.wikipedia.org/wiki/Short_Message_Service#.C3.9Cbertragung ). Der Erfolg vom Twitter lag damals daran, dass man allen Freunden, egal ob gerade online oder nur im GSM-Netz eine Nachricht sendet konnte, z.B. über die Pläne für den Abend. Heute, in Zeiten vom iPhone & Co. sind viele von uns immer online und könnten wesentlich längere Texte empfangen.

Die Länge hat meiner Meinung nach aber wesentlichen Vorteil. Man muss sich kurzfassen, auf das Wesentliche konzentrieren. Das wiederum erlaubt dem Broadcast-Leser schnell zu entscheiden, ob es für ihn interessant ist und ob er bei einer Frage helfen kann. Viele lassen ein Twitter-Client die ganze Zeit im Hintergrund laufen und nehmen nur “nebenbei” wahr, worüber es gerade “getwittert” wird.

Egomane

Selbstdarstellung und das Gefühl, andere nehmen mich war und reagieren auf meine Nachrichten, ist einer den größeren Motoren vom Twitter. Man abonniert auch kein Feed, wie man es bei den Blogs kennt, sondern man “folgt” einer Person. Alleine die Begriffswahl fordert diese Wahrnehmung.

Eine Plattform, die es besonders gut darzustellen vermag, ist http://klout.com . Hier werden die Twitter-Profile analysiert und ausgewertet:

Bist Du ein normaler Twitter-User oder bist Du eine Person mit hohem Einfluss? Oder bist Du eher eine Person, die andere miteinander “verknüpft”, “vernetzt”. Wie oft führst Du Diskussionen im Twitter etc.

Alle diese Faktoren werden entsprechend dargestellt und regelmäßig aktualisiert, um einen Index-Wert pro Twitter-User, der sich bei Klout angemeldet hat, auszurechnen.

Durch Twitter entsteht ein neuer Kanal für Personen die als s.g. Key Opinion Leader bezeichnet werden.

Das ist auch der Grund dafür, wieso sehr viele bekannte Personen im Twitter vertreten sind. Ob persönlich? In vielen Fällen eher über die PR Abteilung, sehr oft aber ganz authentisch und direkt.

Die Möglichkeit den Einfluss auch für Marketing zu nutzen, haben natürlich sehr viele Unternehmen für sich entdeckt. Solange eine gute Mischung aus Mehrwert, interessanter Persönlichkeit und Werbung angeboten werden, kann diese Art vom Marketing gut funktionieren.

Wikipedia-Konzept für “Reuters”

SharePoint 2010 war in den letzen Monaten ein extrem heißes Thema. Microsoft hat das “Non Disclosure Agreement” endlich nach der SharePoint Messe in Las Vergas aufgehoben. So konnten auf einmal alle Experten über Ihre erste Erfahrung mit #sp2010 berichten. Ich hatte das Gefühl, ich habe mich gerade an eine Nachrichten-Agentur wie Reuters. aber nur für das SharePoint-Thema, angeschlossen. Neue Schulungen, neue Seiten, erste Download, PPT etc. Über alles wurde extrem schnell berichtet. Hat man noch die richtigen Personen im Netzwerk, so wurde bereits die Spreu vom Weizen für mich getrennt. Und auch ich habe entsprechend beigetragen : )

Die private Nachrichten-Agentur kann man noch mehr auf ein Ereignis einschränken:

Use Case 1: Konferenzen

Auf einer großen Konferenz, kann Twitter zu einem virtuellen Chat-Channel mutieren. So wird Twitter die Möglichkeit für die Kommunikation zwischen dem Sprecher und dem Publikum bieten. Vielleicht nicht in Echtzeit, aber nach dem Vortrag, kommentieren sehr oft die Sprecher die gestellten Fragen. Meist wird ein Hashtag für die Konferenz und dann für den Sprecher “spontan” ausgewählt. Damit kann auch eine Diskussion während des Vortrages in Stillen stattfinden.

Use Case 2: Neu in einer Stadt?

Twitter bittet ebenfalls die Geo-Kodierung der Tweets an. Damit kann man die Nachrichten, auf nur die aus der Umgebung einschränken. Szene-Leute nutzten sehr gerne Twitter, auch selbst die Clubs oder andere Veranstalter.

Bewertung der Güte der Inhalte

Was Yahoo mit einem großen Team in der Urzeit des Internets versucht hat, macht jetzt eine Community von Twitter-Usern. Sehr oft werden Links mit den wichtigsten Begriffen über Twitter empfohlen. Greift die Gemeinde es auf und empfindet die Links als sinnvoll, so werden diese meist weiterempfohlen.

So z.B. geschah es auch mit einem Eintrag auf meinem Blog über SharePoint 2010 und Amazon Cloud Computing. Die Twitter-Suchmaschine Topsy löst die Links auf und versucht so die Anzahl der Nennungen herauszufinden. Eine perfekte Quelle fürs Ranking! (Bei mir stieg dadurch innerhalb von einem Monat die Anzahl der Lesen von 3.500 auf fast 8.000 pro Monat)

http://topsy.com/tb/www.czarzbon.com/2009/12/10/how-to-install-sharepoint-2010-on-amazon-cloud-ec2/

Tools:
Windows, Mac, Linux, Mobile, Web, Desktop, Widget …

Last but not least, die extreme breite Unterstützung für Twitter. Die Idee von Twitter ist sehr simple und durch die Tags sehr flexibel. Twitter bietet auch eine einfache API an. Das hat zu einer sehr breiten Tool-Unterstützung geführt, für jegliche Systeme. Viele Blogs und Internetseiten bauen bereits die Möglichkeit an, einen Betrag fast mit einem Klick über Twitter zu empfehlen. Die Welten von Facebook und Twitter lassen sich sehr einfach verbinden. Alle diese Beispiele sorgen für enorme Sichtbarkeit vom Twitter.

Eine sehr gute Sammlung der Tools für Twitter ist auf der Seite http://oneforty.com zu finden.

Teil 2

Wie lässt sich Twitter oder das Konzept vom Twitter für ein Unternehmen einsetzen? Enterprise-Twitter? Kann ich eine geschlossen Community mit Twitter aufbauen? Was ist Yammer? Ist Twitter und die Activity Feeds in SharePoint 2010 vergleichbar? Kann Twitter für die Projekt-Kommunikation eingesetzt werden?

Mit diesen Fragen werde ich mich im zweiten Teil des Artikels befassen. Folge mir auf Twitter http://twitter.com/marekCzarzbon

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